Posts mit dem Label Krisen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Krisen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Sympathiebekundung auf dänisch

Heute morgen war im Deutschlandfunk zu hören, dass es europaweit Sympatiebekundung mit den meist jugendlichen Demonstranten in Griechenland gab.

Kopenhagen war natürlich mit vorne dabei. Etwa 150 Autonome haben sich gestern in der Nähe des Stadtzentrums getroffen. Der unangemeldete Demonstrationszug wurde aber schnell von der Polizei gestoppt und etwa 15 Demonstranten wurden bereits am Nytorv festgenommen. Einge Jugendliche sammelten sich aber nochmal am Rathausplatz und zogen die Vesterbrogade in Richtung Hauptbahnhof hinunter. Die anrückende Polizeit wurde mit mit Flaschen und Farbbomben beworfen (Im Deutschlandfunk war von Steinen die Rede). Daraufhin nahm die dänische Polizei alle Randalier fest.
Bilanz der Nacht: etwa 50 – 60 Autonome befinden sich in Polizeigewahrsam, Schäden an Geschäften hat es offentsichtlich nicht gegeben und Dänemarks autonome Szene hat mal wieder gezeigt, dass es sie noch gibt.



PS: Die bekannte eher konservative Zeitung Jyllands Posten ordnet die Krawalle übrigens nicht Inland oder Kopenhagen, sondern Kriminalität zu. Andere Themen in diesem Ressort heute morgen sind ein Überfall auf eine Spielhalle und zu schnelle Schnellboote.

Dienstag, 18. November 2008

Der alltägliche Wahnsinn

Heute ist mir mein Handy runter gefallen. Diese Meldung hat ungefähr den Wert von "Hund beißt Mann". Aber um die Geschichte geht es mir auch gar nicht.

Bei dieser Gelegenheit habe ich nämlich festgestellt, dass ich auch in Zukunft Kunde bei Sony Ericsson bleiben werde, weil die eine sehr gute Hotline haben. Ok, vielleicht hatte ich viel Glück und habe ausgerechnet den höflichsten und bestgelauntesten Mitarbeiter erwischt. Trotzdem!

Dank Skype ist es heutzutage nämlich möglich auch aus dem Ausland kostengünstig weltweit anzurufen. Und in diesen paar Monaten hier habe ich damit jetzt schon einige Bekanntschaften mit Kundentelefonen gemacht.

Etwa mit der dänischen Polizei. Anfang des Semester habe ich für einige Tage meinen Personalausweis vermisst (habe ihn dann aber wieder gefunden!). Daher wollte ich, wie ich das aus Deutschland kenne, den Ausweis bei der Polizei für vermisst erklären lassen. Ging aber leider nicht! Polizeiwachen haben in Dänemark nämlich montags geschlossen.

Nächste Erfahrung: ZDF. Ich hätte nie gedacht, dass es so umständlich ist die Kosten für die Vorführung der ZDF-Produktion "Wählt Jesus!" heraus zu bekommen. Gut gläubig wie ich war, habe ich bei der Zentrale angerufen und danach weiß ich nicht mehr wie oft ich meine Geschichte erzählt habe: fünf- oder siebenmal.
Letztendlich bin ich bei einer Frau gelandet, die mir erklärt hat, dass für den Buchstaben F wie Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ihr Kollege zu ständig wäre, aber sie wäre jetzt mal so nett und würde mir helfen: Wie groß denn die Klasse wäre? Und in welchem Fach? – Äh, politische Bildungsarbeit einer Stiftung? Ne, das hat sie nicht verstanden. Egal, meine Auskunft habe ich bekommen.

Mein persönlicher Liebling zu diesem Thema aber ist das Kaufhaus Illum in Kopenhagen. An meinem Geburtstag habe ich dort Schmuck gekauft. Und die Verkäuferin hat vergessen mir ein Paar Ohrringe einzupacken. Das ist mir aber erst im Zug nach Hause aufgefallen.
Also am nächsten Tag angerufen. Ich habe auch gleich jemand ans Telefon bekommen, bin aber einfach weiter durchstellt worden … an einen Anrufbeantworter. Ok, wieder angerufen. Dieser Frau, aber gleich gesagt, dass man mich bitte nicht weiter verbinden soll, hat aber nichts genützt und wieder den Anrufbeantworter der Chefin gehört. Beim dritten Mal habe ich dann gleich protestiert und dann hatte ich aber ganz schnell die Chefin am Ohr ohne durchgestellt zu werden. Die mich dann weiterverbunden hat, diesmal aber richtig.
Ok, meine Ohrringe habe ich und Illum war das peinlich.
Wobei ich die Sache mit dem Kundetelefon peinlicher finde als die nicht eingepackten Ohrringe, aber das sei mal dahin gestellt.

Das ist aber sicher alles der alltägliche Wahnsinn.

Freitag, 10. Oktober 2008

Dänen und die Finanzkrise

Die Dänen merken die Auswirkungen übrigens auch schon. Heute berichtete eine andere Zeitung, die 24timer, dass die Zahl der Lagerverkäufe zugenommen hat. Die Dänen hätten auch schon im letzten Jahr nicht mehr so viel Geld für Markenkleidung ausgeben, das berichtet der Direktor des Branchenanalysten Dansk Detail, Jens Birkeholm.
Die Reporter der Zeitung haben sich auch gleich drei Damen geschnappt und diese gefragt, ob sich die Finanzkrise auf ihr Kaufverhalten auswirkt.

Die erste (18 Jahre) gab zu, dass sie sich zwar schon Sorgen um ihre Zukunft macht und das sie in Zukunft auch mehr Kleidung über Lagerverkauf kaufen wird, aber sie gesteht auch, dass sie ca. 8.000 DKK (über 1000€) im Monat für Kleidung ausgibt. Aber da will sie sich in Zukunft einschränken und ca. 300€ sparen. Das ist doch schon ein Anfang!

Die zweite (32 Jahre) hat heute zum ersten Mal im Lagerverkauf eingekauft, weil sie das bis jetzt immer für Restware gehalten hat. Aber sie hat ein paar nette Sachen gefunden und denkt, dass sie hier in Zukunft öfter einkaufen wird. Sie gibt an normalerweise so ca 1.500 DKK (etwa 200€) im Monat für Kleidung auszugeben.
Bei der dritten (35 Jahre) ist es ähnlich, nur dass sie sich nicht von der Finanzkrise einschüchtern lassen will und bei ihrem Lebensstil nicht viel ändern möchte. Mal sehen, ob sie auch in Zukunft fast 500€ pro Monat für Kleidung ausgeben wird.

Mein Fazit: die Dänen zahlen soviel Steuer, sowohl direkte als auch indirekte, aber für gutes Design und Kleidung haben sie immer Geld übrig. Auch wenn die Welt untergeht: dänische Designermöbel wird es wohl auch in Zukunft geben.

Islandkrise

"Island am Rande eines nervösen Zusammenbruchs" so titelte heute die Zeitung "Urban". Die Nordatlantikbewohner würden sich isoliert fühlen und das nicht nur wegen ihrer geographischen Lage. Nein, jetzt würden sie sich von ihren nordischen Freunde und den USA verlassen fühlen. Deshalb nun die Orientierung nach Osten. 38 Mrd. Kronen soll Russland für die Insel locker machen, das sind etwa 4 Mrd. Euro.

Die Isländer klagen seit Wochen in allen Radiostationen des Landes ihr Leid. Dabei sind die steigenden Zinsen für die Kredite nur ein Problem. Ein junger Mann etwa erzählte der Zeitung, dass seine Zinsen für den Hauskredit um 25% in den letzten fünf Jahren gestiegen wären. Ein anderes Problem ist die Inflation. Auch die Isländer, die keinen Kredit abzustottern haben, erleben im Moment eine Inflation von 15% innerhalb eines Jahres und eine Verteuerung der Lebensmittel kommt sowieso hinzu.

Um den Menschen nun wenigstens ein bisschen zu helfen, will die Regierung jetzt ein Krisenzentrum einrichten, an das sich die finanziell stark angeschlagen Isländer wenden können.
Derweilen steuert Island langsam aber stetig auf einen kompletten Staatsbankrott zu, wie es der Staatsminister Geir Haarde ausdrückte.
Und die Isländer haben ihre ganz eigene Art damit umzugehen. Da die meisten dieses Inselvölkchens eh in Reykjavik leben, versammeln sich die Isländer am Zentralen Platz vor dem Parlament, dem Altinget. Da stehen dann Anarchisten und Bänker vereint und hoffen, dass sich die isländische Krone von ihrem Fall irgendwie erholt. Denn das gute Stück ist in den letzten Wochen um 31% gefallen.