Sømods Bolcher liegt in einem Hinterhof, Nahe der Zugstation Nørreport, mitten in Kopenhagen. Von außen sieht der rote Laden eigentlich ganz unscheinbar aus, aber schon der Eingang verrät: hier wird eines der köstlichsten Geheimnisse des Königreichs hergestellt. Sømods Bolcher stellt die berühmten dänischen Bonbons her, aber nicht nur für normale Menschen – sondern auch für die Königin. Denn er ist der königliche Hoflieferant und das steht groß über dem Geschäft.

Innen geht es dagegen eher beschaulich zu, der Verkaufsraum sieht aus als hätte er sich seit der Gründung nicht verändert alles aus Holz, die Metalldosen in denen die Bonbons aufbewahrt werden: verbeult und angerostet. Die Kasse wie aus Urgroßmutterzeiten und an zwei Wänden hängen Schaukästen mit den über 60 Bonbonsorten, da steht man dann davor und muß sich entscheiden.

22,50 DKK kosten 100g, das sind rund 3€ für einen königlichen Genuß nicht viel. Abgewogen werden die Kostbarkeiten auf einer ganz alten Hauswaage mit Gewichten. Wenn man sich also endlich zwischen Lakritze, Ananas, Himbeere, Husten Bonbons, Flagge, Königs Bonbons, Bismarck und wie sie nicht alle heißen entschieden hat, dann sagt man gleich an wieviel Gramm man möchte.

Die Dame hinter dem Tresen ist schnell und weiß genau wo Bismarck- und Bananenbonbons stehen und mischt sie fröhlich zusammen, so viel man möchte.
Gerade sind wir am gehen, da kommt das Angebot doch bei der Herstellung zu zusehen. Hmm, sehr gerne.
Die braune heiße Karamellesoße ist schon auf der eingefetteten Arbeitsfläche ausgebreitet und als wir herein kommen, wird gerade eine rote Flüssigkeit darüber gespritzt und alte Bonbons dazugegeben. Danach wird der „Teig“ geteilt und darf etwas erkalten.
Im Anschluß wird die erkaltende aber noch sehr flüssige Masse kontinuierlich aufeinander aufgehäuft. Anstatt den Teig zu rühren, wird er immer wieder mit einem Spachtel von der Arbeitsfläche gekratzt und wieder oben auf die zähflüssige Masse darauf gehäuft. Wie ein zähflüssiger Vulkan sieht das ganze aus, weil es auch ständig wieder verläuft und so das ganze ziemlich schnell von braun zu rot vermischt wird.
Jetzt wird noch Aroma untergemischt und auf einmal duftet es in der ganzen Stube nach Ananas. Uns dämmert, dass sind trotz der rosa Farbe keine Himbeerbonbons - sondern Ananas.
Nun werden die Ventilatoren eingeschaltet, so dass die Bonbonteigmasse schneller abkühlt. Wie lang muß das früher wohl gedauert haben? Nun ist der Teig schon nach wenigen Minuten kalt genug um uns drei Stücke mit der Schere abzuschneiden – die Masse ist heiß und klebrig, man kann die Bonbons noch wie Kaugummi kauen. Während wir da stehen und nicht so recht wissen, ob wir die Rohbonbons lutschen oder kauen sollen, geht die Verarbeitung des Teigs schon weiter: je ein Mann wirft eine Teighälfte über einen riesigen Fleischerhaken, der an einem Stützbalken des Hauses angebracht ist.
Die Masse biegt sich unter ihrem eigenen Gewicht und wird von den Männern langgezogen, kurz bevor die Bonbonschnur droht zu zerreißen wird sie doppelt genommen und wieder über den Fleischerhaken geworfen, fast als würde man Gummiseile über einen Stab werfen.
Die süßen Seile sind schwer und nachdem sie nun lang genug in dünnere Seile gezogen worden sind, werden sie nun in kurze Schnüre zerschnitten und dann von einer uralten Maschine, die noch von Hand bedient wird, in handliche Stücke zerkleinert. Nun müssen die Bonbons nur noch abkühlen und sind dann bereit gekauft und gelutscht zu werden.

Die Sorten im Uhrzeigersinn: Flagge (schmeckt nach Himbeer), Bismarck (Pfefferminze), Husten Bolcher (Lakritze) und Ananas.