Sonntag, 28. September 2008

Ab- und Aufrunden

Wenn man in Dänemark einkaufen geht, wird oft aufgerundet oder gegebenfalls auch mal abgerundet, aber eher selten. Denn im dänischen Staat ist die kleinste Münze das 25 Øre-Stück, aber nur noch bis Mittwoch. Am 01. Oktober 2008 wird die 25 Øre-Münze nämlich abgeschafft und dann gibt es nur noch das 50 Øre-Stück und Kronen.

Wie das beim Einkaufen aussieht: als ich z. B. heute einkaufen war (in Dänemark kann man Sonntags im Supermarkt einkaufen), hatte ich eine Rechnung von 128, 10 DKK (Dänischen Kronen), bezahlt habe ich aber nur 128 DKK - der Betrag wurde abgerundet. Das entspricht etwa 17 €.

Wenn jetzt aber die 25 Øre-Münze verschwindet, wird das auf- und abrunden noch verschärft. Denn ab Mittwoch werden Beträge wie 10, 70 DKK auf 10, 50 abgerundet, aber 10,77 DKK werden jetzt auf 11 aufgerundet.
Bin schon sehr gespannt, wann auch das letzte Øre-Stück abgeschafft wird.

Samstag, 27. September 2008

U-Bahn fahren

Nachdem ich euch gestern über das Zugfahren in Dänemark berichtet habe, will ich heute von meinen Erfahrungen mit der Kopenhagener U-Bahn erzählen und zeigen.
Die Kopenhagener Metro liegt tief unter der Stadt.


Zwei lange Rolltreppen muß man hinunter fahren und dann steht man auf dem Bahnsteig, aber hinter verschloßen Glastüren. So kann sich keiner vor der Zug werfen, den die Kopenhagener Metro fährt ohne Fahrer.
Die Metro Kopenhagen hat zwei Linien, die beide von West nach Ost führen und vor allem dazu dienen die Innenstadt Kopenhagens zu vernetzen.
Da die Metro wie gesagt ohne "Piloten" auskommt, erlaubt das dem Mitfahrenden ganz vorne zu sitzen und die Fahrt unter den belebten Straßen Kopenhagens direkt mit zu erleben.



PS: Ein Hinweis zur ZDF Mediathek: Roms Unterwelt-Schatzsucher in Zeitnot in der Suche eingeben. Ein sehr interessanter Bericht über die Probleme beim Bau einer U-Bahn wie der Kopenhagener, nur noch schwieriger. Immerhin geht es um Rom!

Zugfahren in Dänemark

Eigentlich wollte ich euch dieses eine Video zeigen. Viel ist darauf nicht zu sehen, nur wie Menschen, vor allem Studenten, dem Treppenausgang des Bahnhofs Trekroner in Dänemark zu streben, aber leider ist das Video auf der Universitätshomepage nicht mehr zu finden. Eigentlich also kein besonders interessantes Video, aber die Studenten laufen direkt am Gleis.

In Deutschland wäre das kein Problem, weil Züge, die durchfahren werden angekündigt, und bremsen außerdem ab bevor sie durch einen Bahnhof fahren.
In Dänemark spart man sich das, die Züge werden weder angekündigt noch bremsen sie ab. Das ist manchmal sehr gefährlich.

Besonders aufgefallen ist mir das, als eine Gruppe Kleinkinder mit mir am Bahnhof stand bzw. saß. Denn die Erzieherinnen ließen die Kleinen sofort in die Mitte des Bahnsteigs hinsetzten nachdem sie angekommen waren und das war auch richtig so, denn wie immer schoßen die Züge nur so vorbei.

Ein weiteres Phänomen der dänischen Bahn ist, das hier häufig Züge gestrichen werden. Dann steht einfach cancelled auf der Ankündigung. Besonders Samstags und Sonntags fallen viele Züge aus, also dann wenn eh schon nicht viele fahren.

Des weiteren unterscheidet sich auch die Innenausstattung dänischer Züge sehr von deutschen. Zum einen gibt es auch in Regionalzügen absolute Ruhebereiche, in denen es nicht gestattetet ist auch nur einen Pips zu sagen, und zum anderen gibt es Kaffeeautomaten auch in RBs.


Außerdem gibt es in dänischen Zügen am Platz keine Mülleimer, sondern Plastiktüten.


In diese packt man seine Abfälle und wirft die Plastiktüte dann auf dem Bahnsteig oder im Vorraum in einen der großen Mülleimer weg. Ironischerweise steht auf den Tüten folgendes:

dt. Nimm den Zug - senke deinen CO2-Ausstoß

Gut das in Dänemark nächstes Jahr die UN Klimawandel Konferenz zu Gast ist. Mal sehen, was das hier alles verändert.

Donnerstag, 25. September 2008

Das Årsfest 2008

Die Dänen wissen zu feiern!
Der Abend begann mit einem gemeinsamen Abendessen im GeoInstitut - für mich zumindest. Andere Fächer, andere Feiern. Die Anglisten feierten beim gemeinsamem Dinner, während die Dänisch-Studenten gleich in die Party einstiegen.
In der Cafeteria der Geographen war das Buffet angerichtet. Thema war natürlich Geographie! Und das Buffet hatte einiges zu bieten: Vulkankuchen, Bodenprofil-Pudding,Weltkugelbrötchen, A-Horizont Nudelsalat, Brote, die aussahen wie Grönland und und und
Ab 10 Uhr verloren sich dann die Geographen in alle Richtungen und die echte Party begann … mit laut wummernden Bässe. Erstmal Zelte kucken gehen war angesagt:
vom Weihnachts- zum Valentinszelt und direkt daneben noch die Fischerkneipe, das 90. Jahre Zelt in dem die Backstreet Boys aber auch jeder Menge Techno lief, das Rockzelt mit der Himmel-und Hölle-Kneipe und natürlich die Mensa als Tummelplatz für Reggae- und Crossover-Fans mit leckeren Cocktails.

Eigentlich für jeden Geschmack was dabei und entsprechend wurde auch wild gefeiert:



Obwohl wir recht "früh" gegangen sind, habe ich doch das Ende des Årsfest 2008 mitbekommen als wäre ich dabei gewesen. Als ich nämlich um kurz vor 4 nach Hause kam, konnte ich feststellen was für eine super Anlage das Weihnachtszelt hatte. Text und Bass konnte ich trotz einiger Entfernung und geschlossener Türen hören und fühlen!
Echt eine gelunge Party - bin nächstes Jahr wieder dabei!

Freitag, 19. September 2008

Einkaufen

Zunächst war ich überrascht von der Menge an Leggins, die hier in Dänemark getragen wird. Die Frauen tragen sie hier zu allem: Hemden, Kleidern, Pullis, Miniröcken und HotPants. Wirklich zu allem - anstelle von Hosen. Und wenn Hosen dann Karottenjeans! Natürlich nicht immer, aber doch gerne und viele.
Irgendwann wurde mir der Stil hier oben aber zu langweilig. Ich weiß nicht warum, weil man Leggins ja so wunderbar kompinieren kann, aber so ist es!

Am Mittwoch war ich mit zwei anderen deutschen Mädchen aus meinem Wohnheim in Roskilde und wir haben uns in ein oder zwei Modeläden verirrt. Anschließend wußten wir auch warum die Dänen alle gleich aussehen, weil es hier im Moment nur einen Trend gibt.
Man merkt: man lebt in einem wahren Sozial-staat.

Aussichten

Das schönste nahe an der See zu wohnen ist die gute Luft und die fantastischen Sonnenuntergänge.
Von der guten Luft bekommen wir leider nicht so viel mit - dafür sind liegt das Korallen, mein Wohnheim, schon zu weit im Inneren, falls das in diesem Land überhaupt geht.
Aber die Sonnenuntergänge, die können wir auch von hier aus sehen und genießen:

Die Party des Jahres

In 20 Stunden beginnt die Party des Jahres. Nein, das Roskilde Festival ist seit fast 3 Monaten vorbeit. Und ja, Silvester ist erst in etwas mehr als 3 Monaten. Was könnte das sein?


Das ist DIE Universitätsparty, die jedes Jahr einmal auf dem Campus der Universität Roskilde stattfindet. Letztes Jahr waren 8.000 Menschen dar.
Anfange tut das ganze übrigens erst um 11 Uhr, weil man aber schon ab 5 Uhr nachmittags in den Instituten feiert und zusammen isst. Also die Geographen, Anglisten, Informatiker usw. jeder für sich einfeiert.
Und dann um 11 werden alle Institute geschlossen und die Party steigt in den Zelten, die über das ganze Unigelände verteilt sind. Bis ca. 4 Uhr in der Früh.
Ich bin schon sehr gespannt was das wird und habe mir ja auch schon die richtigen Schuhe geholt - auf Empfehlung mehrer Dänen: Gummistiefel

Altes Bild: Anstehen für Karten für das Årsfest

Für euch, die ihr leider nicht dabei sein könnt - zum Trost einige Links zu dänischen Popsongs:

Freitag, 12. September 2008

Kepsejling 2008

Die Universität hat einen eigenen See, den Trekroner See, normalerweise leben dort einige Enten und eine Schwanenfamilien mit 4 Kindern. Doch am 11. 09. 2008 gehört der See den Häusern, so werden an der RUC die Insitute genannt. Denn die traten gegen einander an im mehr oder weniger fairen Ruderwettkampf, wobei Rudern sehr weit gefasst werden muß.

Wer gewonnen hat: keine Ahnung. Auf jeden Fall wurde bei der ersten Ausscheidung das Boot, das in Führung lag, durch Fans des Drittplazierten am Sieg gehindert. Macht nix, denn der eigentliche Sinne des ganzen war auch ein anderer: zusammen sitzen, in der Sonne liegen, snakker und vor allem Bier trinken.

Bier trinken gehört eh zum Unialltag: Donnerstag gibt es das Thursday Café und Freitags die Friday Bar. Beim Café gibts Kaffee und Bier, bei der Bar dann nur noch Bier - beide beginnen übrigens um 14 Uhr. Die richtige Einstimmung für ein feuchtfröhliches Wochenende.

Anbei noch einige Eindrücke des gestrigen Tages:

Sømods Bolcher – kongelig hofleverandør

Sømods Bolcher liegt in einem Hinterhof, Nahe der Zugstation Nørreport, mitten in Kopenhagen. Von außen sieht der rote Laden eigentlich ganz unscheinbar aus, aber schon der Eingang verrät: hier wird eines der köstlichsten Geheimnisse des Königreichs hergestellt. Sømods Bolcher stellt die berühmten dänischen Bonbons her, aber nicht nur für normale Menschen – sondern auch für die Königin. Denn er ist der königliche Hoflieferant und das steht groß über dem Geschäft.


Innen geht es dagegen eher beschaulich zu, der Verkaufsraum sieht aus als hätte er sich seit der Gründung nicht verändert alles aus Holz, die Metalldosen in denen die Bonbons aufbewahrt werden: verbeult und angerostet. Die Kasse wie aus Urgroßmutterzeiten und an zwei Wänden hängen Schaukästen mit den über 60 Bonbonsorten, da steht man dann davor und muß sich entscheiden.


22,50 DKK kosten 100g, das sind rund 3€ für einen königlichen Genuß nicht viel. Abgewogen werden die Kostbarkeiten auf einer ganz alten Hauswaage mit Gewichten. Wenn man sich also endlich zwischen Lakritze, Ananas, Himbeere, Husten Bonbons, Flagge, Königs Bonbons, Bismarck und wie sie nicht alle heißen entschieden hat, dann sagt man gleich an wieviel Gramm man möchte.


Die Dame hinter dem Tresen ist schnell und weiß genau wo Bismarck- und Bananenbonbons stehen und mischt sie fröhlich zusammen, so viel man möchte.
Gerade sind wir am gehen, da kommt das Angebot doch bei der Herstellung zu zusehen. Hmm, sehr gerne.

Die braune heiße Karamellesoße ist schon auf der eingefetteten Arbeitsfläche ausgebreitet und als wir herein kommen, wird gerade eine rote Flüssigkeit darüber gespritzt und alte Bonbons dazugegeben. Danach wird der „Teig“ geteilt und darf etwas erkalten.
Im Anschluß wird die erkaltende aber noch sehr flüssige Masse kontinuierlich aufeinander aufgehäuft. Anstatt den Teig zu rühren, wird er immer wieder mit einem Spachtel von der Arbeitsfläche gekratzt und wieder oben auf die zähflüssige Masse darauf gehäuft. Wie ein zähflüssiger Vulkan sieht das ganze aus, weil es auch ständig wieder verläuft und so das ganze ziemlich schnell von braun zu rot vermischt wird.
Jetzt wird noch Aroma untergemischt und auf einmal duftet es in der ganzen Stube nach Ananas. Uns dämmert, dass sind trotz der rosa Farbe keine Himbeerbonbons - sondern Ananas.

Nun werden die Ventilatoren eingeschaltet, so dass die Bonbonteigmasse schneller abkühlt. Wie lang muß das früher wohl gedauert haben? Nun ist der Teig schon nach wenigen Minuten kalt genug um uns drei Stücke mit der Schere abzuschneiden – die Masse ist heiß und klebrig, man kann die Bonbons noch wie Kaugummi kauen. Während wir da stehen und nicht so recht wissen, ob wir die Rohbonbons lutschen oder kauen sollen, geht die Verarbeitung des Teigs schon weiter: je ein Mann wirft eine Teighälfte über einen riesigen Fleischerhaken, der an einem Stützbalken des Hauses angebracht ist.
Die Masse biegt sich unter ihrem eigenen Gewicht und wird von den Männern langgezogen, kurz bevor die Bonbonschnur droht zu zerreißen wird sie doppelt genommen und wieder über den Fleischerhaken geworfen, fast als würde man Gummiseile über einen Stab werfen.
Die süßen Seile sind schwer und nachdem sie nun lang genug in dünnere Seile gezogen worden sind, werden sie nun in kurze Schnüre zerschnitten und dann von einer uralten Maschine, die noch von Hand bedient wird, in handliche Stücke zerkleinert. Nun müssen die Bonbons nur noch abkühlen und sind dann bereit gekauft und gelutscht zu werden.


Die Sorten im Uhrzeigersinn: Flagge (schmeckt nach Himbeer), Bismarck (Pfefferminze), Husten Bolcher (Lakritze) und Ananas.

Nachtrag zu Zeitungen

Diese beiden netten Zeitungen habe ich in Kopenhagen am Hauptbahnhof entdeckt. Leider war die Zeit schon verkauft und die FAZ nicht attraktiv genug für 3€. Dafür aber die Erkenntnis die Dänen importieren anscheinend alle deutschen Klatschblättchen: Gala, Die Bunte und alle anderen.

Wie oft die Fischerzeitung rauskommt weiß ich leider nicht - aber es gibt sie schon 20 Jahre und das christliche Tageblatt erscheint wirklich täglich.

toilet [toa'lεd] n (-ter) Toilette f …

An der Universität, in vielen Geschäften und auch in vielen Café ist es normal; in Restaurants und Museen eher nicht: Die gemeinsame Toilette!
Männer und Frauen gehen in Dänemark vieler Orts zur gleichen Tür, wenn sie sich kurz frisch machen müssen.


Die Vorteile liegen auf der Hand:
  • Für den Besitzer: weniger Platzverschwendung durch Toiletten.
  • Für den (weiblichen) Besucher: keine langen Schlangen vor der Damentoilette.
Aber die gemeinsame Toilette gibt es nicht überall, z. B. nicht im Studentenhaus in Kopenhagen. Manchmal möchte man doch eher unter seines gleichen bleiben.

Dienstag, 9. September 2008

Zeitung

Bevor ich nach Dänemark ging, bin ich davon ausgegangen, dass man in Dänemark in einer Stadt wie Roskilde mit ca. 80.500 Einwohnern am Bahnhof auch internationales Presse bekommt. Vielleicht nicht die Stuttgarter Zeitung, doch zumindest die FAZ und den Guardian. Dem ist aber nicht so. Den Spiegel und das Time-Magazine kann man kaufen, aber keine internationalen Zeitungen. Die Vogue liegt dafür in mehreren Augaben aus: New York, Paris, Rom, London, Berlin. Die dänischen avisen (dän. Zeitungen) sind natürlich vorhanden: vom christlichen Tagesblatt bis zur Politiken sind alle da und erscheine auch fast alle täglich.

Dafür gibt es hier aber eine nette Sache: Gratiszeitungen an den Bahnsteigen.


Die Dänen lesen die wirklich und die Zeitungen sind gar nicht schlecht. Auf Dänisch, aber ein weites Themenspektrum. In den letzten Wochen wurde sowohl über den Wahlkampf in den USA als auch über die Teilnahme der Ehefrau des dänischen Statsministers (Regierungschefs) an der dänischen Varianten von Let's dance (Vild Med Dans') als auch über die Klage gegen die Jugendlichen, die letztes Jahr in Kopenhagen gegen die Polizei randaliert haben, weil ihr Jugendzentrum geschlossen werden sollte, behandelt. Also alles: Inland, Ausland, Klatsch und Wetter - was braucht man mehr.


Anna würde den MetroExpress lesen, damit sie immer weiß was in ihrem ERASMUS-Land so passiert, wenn sie dänische könnte ;)

Die richtigen Schuhe für Dänemark II

Noch ein paar Bilder zum Thema: Schuhe. Hier der Beweis in Dänemark sind Gummistiefel immer IN.

Sonntag, 7. September 2008

Dänische Exkursion

Für die einen war der erste September Labour Day, für die anderen der Start in den Unialltag und in eine spannende Einführungswoche, wie ich sie aus Tübingen nicht kenne.
Denn am Mittwoch stand eine kostenlose Exkursion durch Kopenhagen auf dem Wasser und zu Land an. Thema dabei war die Stadtentwicklung und -geographie der dänischen Hauptstadt.
Los gings per Boot um die neusten Ideen der Stadtplaner und Architekten zu begutachten. Hier einige Impressionen:




Dann zu Fuß. Zunächst aber Mittagessen in die Kantine der Kunst-, Musik-, Architektur- und Schauspielhochschule (habe jetzt hoffentlich nichts vergessen!) und hier gab es dann diesen grünen Kuchen - schmeckte besser als er aussah:


Frisch gestärkt begann nun ein etwa zweistündiger Fußmarsch durch die ebenfalls neuesten Projekte der hauptstädtischen Stadtplaner. Peter, unser Dozent, erzählte dabei von den aktuelle Diskussionen in Dänemark: etwa, ob man gläserne Designerhäuser fotografieren dürfte, weil das ja die Bewohner in ihrem täglichen Leben stören würde. Auch berichte er den dänischen wie ERASMUS-Studenten von dem Wunsch Kopenhagens in irgendeiner städtebaulichen Sachen: die tollste, schönste oder beste zu sein. Denn die Dänen fangen erst an energiesparend zu bauen und besonders hoch, tief oder sonst irgendetwas sind ihre Häuser auch nicht. Daher ist nun das Ziel, in irgendeiner Stadtbaudisziplin Weltspitze zu werden: wie wärs mit Glasfassaden?



Nach dieser Tour der neusten Stadtbauprojekte Kopenhagens gab es noch eine spezielle ERASMUS-Tour durch eines der touristischen Highlights Kopenhagens: Christiania. Da unser Dozent Peter hier selber zwei Jahre gelebt hatte, konnte er allerlei berichten, etwa darüber wie man in dem "Freistaat" überhaupt einziehen kann, denn Wohneigentum gibt es hier nicht:
Wenn jemand aus welchen Gründen auch immer aus Christiania auszieht, dann kann er nicht selbst darüber entscheiden wer sein Zimmer oder seine Wohnung übernimmt, das entscheidet die Gemeinschaft.
Zunächst muß man also als Einziehwilliger wissen wo etwas frei ist. Dann muß man bei dem Haus oder der WG anfragen, ob sie einen aufnehmen würden (gut ist daher, wenn man schon länger in Christiania gearbeitet hat und einen Fürsprecher im Haus hat). Das müßen die dann diskutieren und absolut einstimmig beschließen, dann kann man einziehen.
Alternativ und schneller kann man auch in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einen Bauwagen oder ein einfaches Häuschen irgendwo hinstellen. Früher war das problemlos möglich, heute bestehen auch die Bewohner von Christiania auf ihre Ausgleichs- und Grünflächen und zudem hat die Stadt Kopenhagen ein bisschen Einflußnahme zurückgewonnen und dieses schnelle Bauen aus Feuerschutzgründen verboten.

Christiania verfügt über eine eigene Währung Lon. Mit dieser werden alle Arbeiten innerhalb Christianias bezahlt und man kann nur damit einkaufen. Leider war ich in keinem Geschäft, so dass ich nicht sagen kann, ob man als Besucher nicht auch in Kronen zahlen kann. Auch Produzenten, die in Christiania etwas herstellen, zahlen einen prozentualen Anteil in die Gemeinschaftskasse ein. Manchen sind die "Steuern" aber zu hoch und so wird auch schon im dänischen Ausland produziert.

Der Verkauf von harten Drogen ist in Christiania verboten. Nur Haschisch, Alkohol und Zigaretten sind erlaubt und auch frei verkäuflich. Das mit dem Haschisch gilt aber nur für Christiania, denn sonst ist der Handel mit dieser Droge in Dänemark verboten.

Christiania hat nicht nur eine eigene Währung sondern auch eine eigene Post. Alle Bewohner Christianias haben ein und die selbe Adresse: man kann sich seine Post also entweder jeden Tag abholen oder den "staatlichen" kostenpflichtigen Auslieferservice nutzen.



Übrigens ganz sicher vor staatlicher Gewalt ist Christiania noch nicht - zu Straßenschlachten mit der Polizei kommt es bis heute immer wieder.
Mein Dozent hat erzählt, dass er vor ein paar Jahren Besuch von einem spanischen Geographie-Professor bekommen hatte. Diesem wollte er den Spiseloppen, das Restaurante in Christiania, zeigen. Als sie aber an die Kreuzung vor dem Eingang kamen, war da gerade eine Auseinandersetzung zwischen Bewohnern und Polizisten im Gange. Die beiden Männer haben trotzdem probiert sich daran vorbei zu schieben, was nicht geklappt hat. Stattdessen wurde der spanische Professor von der dänischen Polizei durchsucht, das konnte Peter natürlich nicht unkommentiert lassen und so landeten die beiden dann in Polizeigewahrsam - nicht lange, aber ins Restaurant kamen sie nicht mehr.

Der Eingang nach Christiania ist übrigens vor ein paar Jahren verlegt worden: von der Kreuzung (roter Kreis) in die Mitte des Straßenverlaufs (grüner Kreis).

(Quelle: maps.google.com/maps)

Dadurch kann die Polizei nicht so gut aufmaschieren, wenn es wieder Ärger geben sollte.

Montag, 1. September 2008

Meinen ersten Tag …

… habe ich geschafft: mit viel Englisch und einer Prise Dänisch.
Am morgen erstmal die Enttäuschung, denn auch hier wird Wasser gepredigt und Wein getrunken: die Dekanin spricht zu uns in der institutseigenen Kantine die großen Worte: Nachhaltigkeit, Klimawandel, Umweltschutz, Ressourcenmanagement usw. dabei trinken wir Kaffee und Tee aus Plastikbechern.
Der Frauenanteil am Institut ist dafür recht hoch. ENSPAC hat nicht nur eine Dekanin, sondern auch eine Leiterin des geographischen Insituts. Fast 1/3 aller Dozenten ist weiblich (16 von 42).
Es geht gleich weiter von der Vorstellungsrund der Dozenten zur Introduction for ERASMUS-Students. Da bleibe ich aber nicht lange, weil ich bereits im 4. Studienjahr bin, schickt man mich zur Vorstellung der Master-Kurse, die ist komplett auf Dänisch - gut für mich, schlecht für Erik aus den Niederlanden.
Dieses Jahr gibt es nur einen einzigen englischen Master-Kurs und ein junger Mann findet, dass man den auch auf Dänisch halten könnte. Very funny! Gut, dass man diese Geschichten schon aus Deutschland zur genüge kennt - dann fühlt man sich nicht ganz so blöd.
Leider habe ich immer noch keinen Studentenausweis - bin immerhin schon fast zwei Wochen da- , weil die Maschine kaputt ist mit der dieselbigen hergestellt werden - dänische Geduld reicht weit, sehr weit: Einige ERASMUS-Studenten sind schon einen Monat hier und habe noch keinen Ausweis.
Nach der Kurs-Vorstellung erstmal Krisenbesprechung vor der Mensa:
- Das englische Institut biete dieses Semester keine Projektarbeiten an! Das einzige, das wir hier wirklich machen müßen - was nun?
- Soll man zur Bacheloreinführung gehen, obwohl man doch Master macht, aber die erst für Freitag eingeladen haben?
- Was ist mit unseren Emailadressen - an wenn können wir uns da wenden?
- “Und was hast du die Woche noch?“ - “Ach, nichts. Nur heute die Einführung und dann ab Mitte September Sprachkurs.“
Nach der Mittagspause - eine kleine Vorlesung zum Thema: Indigenous Geography, ein ganz neues altes Forschungsfelder der Geographie. Gehalten wird die Vorlesung von einer Australierin, ob die wohl extra eingeflogen wurde?
Bei der anschließenden Fragerunde: What are you sinking about … ? Auch nicht alle Dänen sprechen perfektes british english, I think.