Heute beim Mittagessen in der Kantine gab es an der Universität Roskilde für die ERASMUS-Studenten nur ein Thema: das Referendum in Grönland.
Die größte Insel der Welt stimmt über einige Änderungen im Bezug auf seine Rechte ab. Grönland ist Teil des Königreichs Dänemark, aber wie die Farören nicht Teil der EU. Es ist außenpolitisch abhängig von Dänemark, aber innenpolitisch relativ frei. Seit langem aber will Grönland unabhängig werden von Dänemark, von dem es nicht nur politisch sondern auch finanziell abhängt.

Nein, die Kleine hat kein Stimmrecht.
Sie wirft nur den Stimmzettel ihrer Mutter ein.
Quelle: www.ligetil.nu
Von der
hjemmestyre (Selbstverwaltung) zur
selvstyre (Selbstregierung) ist das Motto. Was heißt das im Einzelnen?
Zunächst einmal würde in der Präambel Grönlands die Gleichheit von Dänen und Grönländern festgeschrieben werden, dass würde sich in so fern bemerkbar machen als das im Sommer 2009 mit Inkrafttreten der Neuerungen Grönländisch Staatssprache werden würde.
Zum anderen würden die Grönländer noch mehr Selbstständigkeit in der Verwaltung und Gesetzgebung übertragen bekommen, etwa bei der Polizei. Bis jetzt haben sie schon die Bereiche Bildung, Kultur und Gesundheit.
Schwieriger ist die Sache mit der dänischen Finanzhilfe und den Ressourcen, die unter grönländischem Eis (wahrscheinlich) lagern. Dänemark steckt im Moment jedes Jahr 3,2 Milliarden Kronen in die Insel. Das ist, laut FAZ, die Hälfte des Insel-Haushalts.
Aber wenn Grönland unabhängig werden möchte, dann ist Kopenhagen auch nicht mehr bereit soviel Geld in das Land zu investieren. Ohne den Zuschuß aber würde das Land aber sehr schlecht dastehen.
Man hat sich auf einen Kompromiß geeinigt. Grönland darf seine Öl- und Gasfelder
nicht verkaufen, etwa an russischen Investoren. Dafür kooperieren Kopenhagen und Nuuk um die Ressourcen gemeinsam auszubeuten. Sollte die Erschließung der Felder erfolgreich sein, würde Dänemark seine Zuschüsse zurückfahren.
Die wichtigesten Dinge bleiben beim Alten.
Die Grönländer haben nach wie vor einen dänischen Paß und die dänische Krone. Außen- und Sicherheitspolitik werden immer noch im Folketing (dänisches Parlament) und nicht im Landsting (grönländisches Parlament) gemacht. Auch viele Verwaltungsbeamte, Lehrer und das Militär kommen nach wie vor vom "Festland". Außerdem wird das Referendum in der dänischen Press im Inlandsressort abgehandelt und das wird wohl auch noch eine Zeitlang so bleiben.
Das Wahlergebnis gibt es übrigens laut der grönländischen Zeitung
Sermitsiaqs ab 20:00Hier noch einige Artikel zum Thema "Referendum in Grönland":
Der Preis der Unabhängigkeit (FAZ)Auf Permafrost und Alkohol gebaut (Spiegel online)
Greenland to Vote on More Independence From Denmark (NY Times)
Und einen kleinen Fernsehtip habe ich auch noch:
3satbörse Antarktis - für die alle, die gerne mal etwa Positives zum Klimawandel hören möchten.