Das Kopenhagener Stadtviertel
Nørrebro (dt. nördliche Brücke) gilt als eines der Ausgehviertel der Stadt.
Im 18. Jahrhundert war dieser Teil der Stadt aber zunächst das Armen- und Handwerkerquartier. Denn das Viertel lag außerhalb der wohlhabenden Innenstadt, direkt an einem der Hilfsfriedhöfe. Auf diesem Ausweichfriedhof (Assistens Kirkegård) sind übrigens die beiden bekanntesten Männer Dänemarks beerdigt: Hans Christian Andersen und der Philosoph Søren Kirkegaard.
Doch ab Mitte des 19. Jahrhundert zogen auch die unteren Beamten und einfache Bürger hierher. Schnell setzte ein Bauboom ein und die Zahl der Bewohner stieg steil an, begünstigt durch die Industrialisierung Dänemarks.
Nach einem Beschluß aus den 1960 wurde das Viertel saniert. Ab 1970 begann man mit der Sanierung und als Folge davon auch mit dem Abriß von Häusern, dies führte zu massiven Unruhen. Auch heute noch ist das Viertel für seine Unruhen bekannt. Etwa im Dez. 2006 und im Frühjahr 2007 als es wegen der
Schließung des Ungdomshuset (dt. Jugendhaus) zu Straßenschlachten zwischen Linksautonomen und der Polizei kam.
Am vergangen Freitag habe ich mich aufgemacht dieses Viertel etwas näher kennen zu lernen.
Auf der Karte könnt ihr meinen Weg folgen.

Ausgangspunkt dieser kleinen Tour war die Nørreportstation. Von dort aus bin ich die Nørrebrogade hoch gelaufen über die Nørrebro, das Herz des Viertels. Vorbei an Designershops für Lampen oder Stühle, an kleinen ökologischen Bäckereien, an Fotoläden und Brautshops. Und dann nach der Brücke zunehmend an billigeren Supermarktketten, Drogerien und Secondhand-Läden des Roten Kreuzes. Noch weiter die Straße entlang an arabischen Kleiderläden, türkischen Gemüseverkäufern und Dönerbuden.
Bis ich schließlich direkt am Friedhof auf den Jagtvej stieß. Den bin ich dann kurz entlang. Denn der Jagtvej ist schon lange kein Weg mehr, sondern eine dichtbefahrene Straße. Weiter in eine kleine grüne Nebenstraße und dann langsam zurück. Die Guldbergsgade wirkt wie ausgestorben, währen da nicht die vielen vielen Radfahrer, die aus der Stadt von der Arbeit kommen oder hineinfahren zum ausgehen, den immerhin ist es Freitag nach 17 Uhr. Alle anständigen Menschen sind beim Essen, denn die Menschen auf den Rädern sind ausschließlich junge Studenten.
Hier in der Seitenstraße parken viele schöne Autos: Audis, Mercedes, VW Golf; aber keine Rostlauben. Man merkt das alte Arbeiterviertel ist nicht mehr ganz billig, es gibt nur noch ein oder zwei kleine Märkte, die vierundzwanzig Stunden auf haben. Die Muslima, die mir begegnet sieht gehetzt aus. Aber aus der Eckkneipe hört man schon Stimmen. Also doch nicht so ausgestorben.
Die Häuser sehen alle gleich aus, auch wenn das Viertel durch die großen Straßen und die vielen Bäumen nicht nach Arbeiterviertel aussieht. Irgendwas aus dieser Zeit ist doch hängen geblieben. Und man kann noch sehr gut sehen, in welcher Zeit die Umgebung entstanden ist. Die Bunker sind zwar versiegelt, aber noch nicht aus der Welt. Diese Bunker wurden noch vor dem ersten Weltkrieg erbaut.
Zurück auf "dicht" befahrene Radfahrerstraße, auf der anderen Straßenseite eilt ein junges Paar mit Kind zu einer privaten Verabredung: er in Jeans und Jackett das Kind in eine einfache Decke gewickelt im Arm; sie im Pelzmantel mit Sektflasche in der Hand. Gegenüber dem Hauseingang in dem sie verschwinden, ein Haus mit Gartenlaube, die als Probewand für Graffitis gebraucht wurde.
So langsam nähere ich mich wieder den Straßen, wo nicht nur gewohnt sondern auch verkauft wird. 24h-Laden, neben Secondhand-Laden und dem ersten Shop eines jungen Modedesigners. Die Friseuse sitzt noch hinter der Kasse und macht Abrechnung. Gleichzeitig geht die Sonne unter und das staatliche dänische Radio DR baut in der Disko RUST gerade sein Equipment auf. Davor stehen drei große Übertragungswägen mit ausgefahrenen Antennen und am St. Hans Torv ist noch gar nichts los.
Der St. Hans Torv ist einer der Plätze für Nachtschwärmer in Kopenhagen und von ihm weg führt die Elmengade, hier gibt es einige schräge Kneipen, etwa "The Laundromat Café" (Café und Waschsalon in einem) und viele Sushi-Bars, außerdem das Øl, wo auch das Bier vieler kleiner dänischer und internationaler Brauerein ausgeschenkt wird.
Mitten über der Straße hängt ein Gummientchen in der Luft.
Und dann ist man schon wieder auf der Nørrebrogade im abendlichen Freizeitverkehr Richtung Innenstadt.
PS: Hier noch ein paar Bilder meines Ausflugs: